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Ein kleine Hörprobe, ja aber, loos jetzt (hör mir zu)
Dialog nach David Bohm
Miteinander Denken beginnt mit zuhören
Der Dialog ist eine bestimmte Form der Kommunikation. Im
Dialog kommen Menschen zusammen, um gemeinsam zu denken, miteinander zu
erkunden, zusammen nach Lösungen von Problemen zu suchen.
Der Quantenphysiker David Bohm (1917 - 1992) hat sich in seiner letzten
Schaffensperiode intensiv mit dem Dialog beschäftigt. Während
es in einer Diskussion (lateinisch von discutere = zerschlagen,
zerteilen, zerlegen) darum geht, die Ganzheit auseinanderzunehmen, zu
sezieren, hat 'Dialog' (griechisch von Dia = durch, Logos = Wort)
für Bohm die Bedeutung eines freien Sinnflusses, der unter uns,
durch uns hindurch und zwischen uns fliesst'. Es geht also um
Partizipation, miteinander denken, sich beteiligen, um Teilhaben am
Ganzen.
Zentrale Regeln für den Dialog
Zuhören: Ich muss zuerst mir selber zuhören,
bevor ich anderen zuhören kann: welche inneren Bewegungen,
Gedanken und Bewertungen entstehen in mir, wenn ich zuhöre? Wenn
ein anderer erst 2 Sätze gesagt hat, fangen wir an, innerlich zu
argumentieren, eine Entgegnung vorzubereiten, zuzustimmen oder
abzulehnen, zu bewerten.
Wenn ich diese Bewegungen wahrnehmen kann, wird es möglich, diese
automatischen inneren Reaktionen etwas beiseitezustellen, um das, was
ich höre, wirklich bei mir ankommen zu lassen. Das ist dann
wirkliches zuhören: nämlich dem anderen statt mir selber.
Zuhören bedeutet, aus einem inneren Schweigen heraus etwas auf sich wirken zu lassen.
Partizipieren
Partizipieren: Wenn ich wirklich zuhöre, kann ich
teilhaben an etwas Grösserem, ich kann teilhaben am Wesen meiner
Gesprächspartnerin, meines Gesprächspartners, und wir
können in einen gemeinsamen, erfrischenden Fluss von Austausch
eintreten, der im Moment entsteht und nicht aus der Erinnerung erzeugt
ist. Das ist Teilhaben am Sein an sich.
Respektieren
Respektieren: (lateinisch re-spectere: erneut
hinschauen, beobachten) bedeutet, auf Abwehr, Schuldzuweisung,
Abwertung und Kritik zu verzichten. Alle dürfen so sein, wie sie
sind. Jede Idee, jede Meinung ist genauso richtig und legitim wie meine
eigenen Ideen.
Von Herzen sprechen
Von Herzen sprechen heisst, seine eigene Wahrheit aussprechen.
Wir versuchen im Dialog, von dem zu sprechen, was uns wirklich bewegt.
Intellektuelle Höhenflüge, abstrakte Abhandlungen und
Selbstdarstellungen führen nicht weiter.
Suspendieren
"Suspendieren heisst, auftauchende Gedanken und
Gefühle zur Kenntnis zu nehmen und zu beobachten, ohne
zwangsläufig danach handeln zu müssen." (Isaacs)
Wenn wir unser 'Wissen' als Konstrukte erkennen, können wir im
Suspendieren unsere Annahmen und Bewertungen sichtbar machen, sie
veröffentlichen, sie vor uns 'aufhängen', sie so in der
Schwebe halten und suspendieren: "das
ist meine Meinung, meine Haltung zum Thema, und ich halte diese mal in
der Schwebe und lasse mich weiter auf das ein, was da gesagt wird".
Erkunden
Eine Haltung von Neugierde, Achtsamkeit und
Bescheidenheit ermöglicht, Fragen zu stellen, die uns wirklich
bewegen und gemeinsam zu erkunden und etwas zu entwickeln, das vorher
noch nicht da war und alleine nicht möglich gewesen wäre.
Mein Denken beobachten bedeutet, zu lernen, dass es
keine 'objektive'äussere Realität gibt, sondern dass wir die
'Realität' immer aus unseren eigenen inneren Annahmen, Ideen,
Haltungen, Wertungen, Urteilen und Vorstellungen heraus wahrnehmen. Mit
der Zeit erkennen wir, wie das Denken funktioniert. Wir realisieren,
dass wir mit unseren Gedanken 'Realitäten' erzeugen. Wir gewinnen
mehr Distanz zu unseren 'Sicherheiten' und Überzeugungen. Dann
gewinnen wir Unabhängigkeit den eigenen persönlichen
Programmierungen gegenüber, aber auch gegenüber von
kollektiven Annahmen, die uns als Gruppe oder Gesellschaft verbinden.
Es wird möglich, das Denken kreativer zu nutzen.
Den Gesprächsprozess verlangsamen
Um uns in dieser Art selber beobachten zu können,
ist es nötig, den Prozess zu verlangsamen. Dann können wir
beobachten, welche Reflexe, Reaktionen, Wertungen, Gedanken und
Erinnerungen auf eine Aussage einer anderen Person in uns
ausgelöst werden. Im Dialog setzen wir dazu einen Sprechstab ein,
um den Redefluss zu verlangsamen.
Die Regel ist, dass nur die Person spricht, die den Stab in den Händen hält.
Wenn diese Disziplinen gemeinsam geübt werden,
verändert sich die Atmosphäre in der Gruppe. Wir beginnen,
gemeinsam zu denken, statt feste Ideen und gut verteidigte Ansichten
gegeneinanderzustellen.
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